Das Ordnungamt aktiviert sich selbst – Der Mängelmelder

Mängelmelder Offenbach: http://www.offenbach.de/stadtwerke-offenbach-holding/holding/besser-leben-in-offenbach/maengelmelder

Mängelmelder Offenbach: http://www.offenbach.de/stadtwerke-offenbach-holding/holding/besser-leben-in-offenbach/maengelmelder

Der neue „Mängelmelder“ wurde 2010 vom Offenbacher Quartiersmanagment ins Leben gerufen. Unter dem Motto „Gib acht auf Offenbach“ sollen die Bürger*innen zum Mitmachen animiert werden. Musste sich die Offenbacher Bevölkerung bis anhin mit einer „Müllbeschwerdenummer“ begnügen, kann der/die aktivierte Bürger*in nun auf http://offenbach.mängelmelder.de/ per Smartphone Beschwerden bzgl. „Öffentliches Grün & Spielplätze“, „Abfall & Sauberkeit“ oder „Schäden im Öffentlichen Raum“ per GPS lokalisieren und kommentieren. Man kann sogar ein Bild hochladen.

Damit sich der/die aktivierte Bürger*in stets von der Behebung der gemeldeten Beschwerden überzeugen kann, lässt sich über die Seite des Mängelmelders der aktuelle Bearbeitungsstatus überprüfen, um so – im Zweifelsfall – mit einer weiteren Beschwerde auf den vakanten Missstand hinweisen zu können. „Aktives Beschwerdemanagement“, nennt sich diese Vorgehensweise, weiß die Offenbacher Presse vom 29.03.2012 zu berichten: „Wir wollen schneller sein beim Reagieren, Beseitigen und Ahnden“, formulierte Ordnungsdezernent Paul-Gerhard Weiß gestern bei der Präsentation des neuen Angebots die eigene Zielsetzung. „Wir setzen uns damit bewusst unter Leistungsdruck“, ergänzte Ordnungsamtsleiter Peter Weigand.

Angesichts der tatsächlichen Mängel mit denen Offenbach zu kämpfen hätte (soziale Ungleichheit, Armut, Schulden) scheint der Leistungsdruck allerdings eher bescheiden. Löcher im Asphalt, wildes Sperrgut oder falsch geparkte Autos stellen für eine Kommune wie Offenbach lösbare Aufgaben dar – angesichts vieler unlösbarer Probleme eine willkommene Abwechslung. Warum sollte man dies nicht gleich nutzen um das angeschlagene Image einer hoch verschuldeten Stadt aufzubessern, deren Politiker*innen die Probleme über den Kopf wachsen? Hier kann das Ordnungsamt beweisen, dass es nicht nur Strafzettel austeilen, sondern auch fix auf die Bedürfnisse „engagierter Bürger“ zugehen kann. Im Idealfall entsteht dadurch bei aktiven Mängelmelder*innen der Eindruck, dass sich was tut in dieser Stadt und sich die Dinge langsam doch noch zum Guten wenden. Die Stadt will hier als Partnerin in gemeinsamer Sache auftreten und den Anschein erwecken, Bewohner*innen und Verwaltung würden ein gemeinsames Ziel verfolgen. Dabei ist die Scheinpartizipation, wie sie hier in Gestalt des Mängelmelders zutage tritt, nichts anderes als eine Abwälzung kommunaler Aufgaben an die Bewohner*innenschaft. Und natürlich ist es auch kein Zufall, dass sich die vorgegebenen Kategorien auf der Mängelmelder-Seite ausschließlich auf den Bereich von „Sauberkeit und Ordnung“ beschränken, sieht die Stadt in diesen Bereichen eine Voraussetzung für die Aufwertung des Wohnumfeldes, die Zunahme an Investitionen in die lokale Immobilienwirtschaft und den Zuzug einkommensstarker Bevölkerungsgruppen.


Zur Rolle von Sicherheit und Ordnung empfehlen wir Folgendes zum Weiterlesen:

Stadtteile machen mobil – Von GWA, Gewalt und Gouvernementalität von Sabine Stövesand.

Bzgl. Verdrängungsprozesse im Zusammenhang von Sicherheit und Ordnung, ein Artikel von Andrej Holm: Auf der Sonnenseit der Gentrifizierung

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